Geocaching und Umweltschutz

Ich selbst betreibe das Hobby Geocaching – mal mehr, mal weniger aktiv – seit nunmehr elf Jahren. In letzter Zeit gehe ich dem Geocaching eher weniger aktiv nach, weil mich vor allem die Einstellung zu dem Spiel selbst stört, aber auch weil ich denke, dass die Erfinder von geocaching.com ihrer Verantwortung nicht nachkommen, endlich mehr für den Umweltschutz zu tun. Seit dem Aufkommen von Smartphones gibt es immer mehr Geocacher, da kein zusätzliches, teures Equipment angeschafft werden muss, und diese bringen immer mehr Plastikdosen in den Wald.

So wirbt geocaching.com aktuell (diese Mail ist vom 16. Mai 2020) für eine Premium-Mitgliedschaft: Unterstütze ein Spiel, das die Liebe für den Naturschutz fördert… Ist dem wirklich so? Nachdem ich vor einer Weile dem saarländischen Geocacher Saarfuchs ein Interview zu diesem Thema gegeben habe (hier nachzulesen), revanchierte er sich nun und beantwortete auch mir ein paar Fragen:

Kürzlich habe ich Deinen Bericht über die in diesem Jahr ausgefallenen Dönerstage gelesen und 2009 war nicht nur Dein erstes Geocache-Event, sondern auch meines. Wir gehören damit also wahrscheinlich zu den Urgesteinen in der saarländischen Geocaching-Szene. Viele Namen aus der damaligen Attended-Liste sind inzwischen verschwunden. Der letzte Geocache, den ich geloggt habe, war mein CITO „Leap Day CleanUp“ – wann hast Du zum letzten Mal an einem CITO teilgenommen?

Ich muss gestehen, dass ich eher selten zu einem CITO gehe. Von meinen 10,228 Funden bisher sind erst acht CITOs. Daher musste ich auch nachschauen, wann ich das letzte Mal auf einem war: Meine letzte Teilnahme war Ende März 2019 auf dem CITO „Cito rund um den Galgenbergturm“ in Spiesen-Elversberg. Dabei konnte ich sogar verhindern, dass eine Kleinlasterbesatzung alte Gummireifen in den Wald geworfen hat. Als ich darüber hinzugekommen bin und sie angesprochen habe, haben sie alles wieder aufgeladen und sind weggefahren. Ich hoffe, dass die die Reifen anschließend auch ordnungsgemäß entsorgt haben …

Soweit ich gesehen habe, fand im letzten Jahr nur ein einziges „richtiges“ CITO im Saarland statt, bei dem tatsächlich auch Müll aus der Umwelt gesammelt wurde. Was denkst Du, woran es liegt, dass diese Events besonders im Saarland so unbeliebt sind?

Bei einem echten CITO ist für den Statistikpunkt oft ein bis zwei Stunden „harte Arbeit“ zu investieren. Daher nehme ich an, dass die typischen Statistikcacher eher Tradi-Runden ansteuern, wo in kürzerer Zeit mehr Fundlogs zu erreichen sind. Auch für die Ausrichter solcher CITOs bedeutet die Organisation mit Sicherheit mehr Aufwand als ein normales Event. Von daher kann ich nachvollziehen, dass diese Art von Event eher selten angeboten wird.

(Kurze Erklärung für Nicht-Geocacher: Man kann auf seinem Profil eine Statistik zum eigenen Cache-Verhalten anzeigen lassen. Pro gefundenem Geocache bzw. teilgenommenem Event gibt es einen Punkt. Statistikcacher sammeln vor allem viele Geocaches oder komplettieren Tabellen, wie etwa an jedem Tag des Jahres mindestens ein gefundener Cache oder alle Kombinationen aus Terrain- und Schwierigkeitsgrad. Man hat durch das Sammeln solcher Statistikpunkte oder Komplettieren dieser Tabellen jedoch keinerlei Vorzüge.)

Ich erinnere mich von früher an einige (Nacht-)Caches in Naturschutzgebieten, deren Wegführung leider immer wieder dafür sorgte, dass auch abseits der Wege gegangen und manche Landschaft regelrecht „zertrampelt“ wurde. Wie ist Deine Erfahrung aus neuerer Zeit? Achtet geocaching.com heute mehr darauf, wo Geocaches freigeschaltet werden?

Dazu kann ich kaum etwas sagen, da ich noch keinen eigenen Nachtcache bei geocaching.com eingereicht habe. Generell glaube ich, dass es zumindest im Saarland einer Genehmigung bedarf, bevor ein Nachtcache im Wald freigeschaltet wird. Ob Cacher-Autobahnen (also die kurze Strecke zwischen Weg und Dose) die Landschaft „zerstören“ – davon bin ich, ehrlich gesagt, nicht überzeugt. Trampelpfade werden nicht nur von Geocachern angelegt – auch die Bewegungen von Wildtieren führen zur Bildung von Pfaden und ich glaube, dass, sobald ein Cache nicht mehr neu ist, die Anzahl der besuchenden Geocacher abnehmen wird und die Stelle sich erholen kann.

(Anmerkung:
Ich erinnere mich sehr gut an so manchen Nachtcache, der besser nie veröffentlicht worden wäre. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir jedoch “SiChris & der Schatz der Rötelkrämer”. Dieser wurde am 11. März 2011 veröffentlicht und zwei Tage später haben wir ihn gemacht. Jedoch nicht nachts, sondern tagsüber. Und selbst da stießen wir in diesem Naturschutzgebiet, das es nun einmal ist, auf Feuersalamander. Eine Wegstrecke sollte mitten durch ein Sumpfgebiet führen, was wir aber lieber umgingen. Andere Geocacher hatten offenbar ähnliche Begegnungen:

Und wie sieht es bei den Geocachern selbst aus? FTF oder Naturschutz, was ist wichtiger?

Das ist natürlich eine recht plakative Frage. Ich glaube, dass auch der FTF und der Naturschutz sich gegenseitig nicht ausschließen müssen! Weiter glaube ich, dass sich die Mehrzahl der Geocacher an die Naturschutzvorgaben hält. Natürlich gibt es auch bei den Geocachern schwarze Schafe, denen jedes Mittel recht ist, um schnell an das Logbuch zu kommen – aber deswegen sollte man nicht die ganze Community verteufeln!

(Kurzer Erklärung: Ein FTF (First to Find) bedeutet, dass man sich als erster Gecacher in das Logbuch einträgt. Unnötig zu erwähnen, dass einem dies ebenfalls absolut keinen Vorteil bringt. Und um noch einmal auf den eben genannten Nachtcache im Naturschutzgebiet zurückzukommen…

Ich schließe mich selbst natürlich gar nicht aus. Leider war mir früher auch nicht wirklich bewusst, wie schädlich für Umwelt und Tiere z.B. Plastiktüten sind. Oft wurden (und werden) Caches darin eingepackt, damit sie vermeintlich besser vor Feuchtigkeit geschützt sind. Aber auch die Plastikbehälter selbst sind nicht gut. Jeder Geocacher hat wahrscheinlich schon angenagte PETlinge oder Plastikdosen gefunden. Müsste es da nach all den Jahren nicht mal ein Umdenken geben und umweltfreundlichere Geocache-Behälter zum Einsatz kommen?

Also, ich kann mich nicht erinnern bisher schon mal angenagten Petlinge oder Dosen gefunden zu haben und ich glaube, dass ich schon viel gesehen habe. Es würde mich auch wundern, wenn das Verstecken einer Plastikdose im Wald ein großes Problem darstellt. Selbst in den geschützten Bereichen oder beim Legen von Trails mit mehr als acht Dosen – also dort, wo heute schon eine Genehmigung der Förster oder Ranger notwendig ist – wird die jeweilige Erlaubnis zum Verstecken von Dosen oft erteilt. Daher glaube ich auch, dass ein Umdenken bezüglich der Plastikdosen derzeit noch nicht notwendig ist. Allerdings teile ich Deine Einschätzung, dass eine Plastiktüte weder um die Dose, noch hinein gehört.

(Obwohl wir nicht einmal ein Viertel der Caches gefunden haben, die Saarfuchs auf seinem Konto hat, kamen uns schon sehr häufig angefressene Geocache-Behälter unter. Leider haben wir nur wenige davon dokumentiert, meistens haben wir sie jedoch ausgetauscht wie jener auf dem ersten Bild. Den übriggebliebenen Müll haben wir mit nach Hause genommen und entsorgt. Auch weggeworfene Cachebeschreibungen haben wir schon mehr als einmal im Wald gefunden. Plastiktüten haben wir ebenfalls entfernt.)

Bereits 2014 gab es im Saarland ja mal einen Vortrag von Marion Geib zum Thema „Geocaching – eine neue Gefahr für die Umwelt?“ Was ist Deine Meinung dazu? Haben sich die Befürchtungen bestätigt, dass Geocaching zu einem Problem für die Umwelt wird?

An diesen Vortrag habe ich teilgenommen und ihn als sehr einseitig empfunden. Ich glaube, dass wir heute ein sehr gutes Gleichgewicht zwischen Naturschutz und Freizeitaktivitäten in der freien Natur haben. Es gibt Bereiche mit Zugangsbeschränkungen, Wegepflicht und eine zwingende Genehmigung für Geocaches in diesen Bereichen. Es gibt Absprachen mit Jägern, wo und wie ein Geocache gelegt werden kann. Darüber hinaus gibt es viele Bereiche ohne Beschränkungen. Ich bin kein Freund von Verboten und glaube, dass ein Dialog zwischen den Naturschützern und den Geocachern viel mehr bringt. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg!

Vielen Dank für das Interview!

Jörg (Saarfuchs) betreibt Geocaching seit 2008. Sein besonderes Interesse galt zunächst Mysteries, dann den T5-Caches und mittlerweile den Lostplaces. Zu seinen Hobbies gehören Reisen, Fotografieren, Bergwanderungen und Hochtouren. Er geht weltweit auf Dosen-Suche und berichtet in seinem Blog www.saarfuchs.com regelmäßig mit vielen Fotos über sein “Geocaching” und damit verwandte Themen.