Saarland sperrt Autobahnen

Shutdown zur Müllräumung

Saarbrücken, 1. April 2021

Wer mit dem Auto in das Saarland fährt ist oftmals schockiert von den riesigen Müllmengen, die am Straßenrand auf Saarlands Autobahnen liegen. Der Landesregierung ist dieser Zustand schon länger ein Dorn im Auge. So ist dies nicht nur eine gewaltige Umweltverschmutzung, sondern schadet auch dem Image des Saarlandes als Wirtschaftsstandort und Tourismusregion.

Nun greift das Saarland entschieden durch und hat mit einer gemeinsamen Aktion vom Wirtschafts- und Verkehrsministerium zusammen mit dem Umweltministerium und dem Landesamt für Straßenbau die sofortige Schließung der Saarländischen Autobahnen am dem 1. April 2020 14:00 Uhr beschlossen.

Von der Schließung vorerst ausgeschlossen sind die A62 und der Abschnitt der A1 zwischen Autobahndreieck Otzenhausen bis zur Autobahnabfahrt Hermeskeil.

Vom Bundesverkehrsministerium gab es nun für die Pläne des Saarlandes auch „grünes Licht“.

Saarland Pilotregion für ehrenamtliche Müllbeseitigung

Innovativ bei diesem Konzept ist die hohe Abhängigkeit von der Bürgerbeteiligung, denn die Räumungsaktion soll ausschließlich von den Bürgern des Saarlandes auf freiwilliger Basis durchgeführt werden. Anke Rehlinger, die das Superministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr leitet, zeigte sich sehr zuversichtlich, dass über diesen Weg sich viel erreichen lässt.
„Wir Saarländer haben eine besonders enge Beziehung zu unseren Autobahnen. Es ist eine Form von dem, was man neudeutsch „Empowerment“ nennt, denn persönliches Engagement hat nun jeder Bürger selbst die Einflussmöglichkeit, den Termin für die Wiedereröffnung der Autobahnen zu bestimmen.“

Umweltminister Jost sieht sogar einen Wettbewerb der verschiedenen Regionen als besonders befruchtend an. „Wenn nun die Bürger entlang der A6 schneller ihre Autobahn vom Müll befreien, als z. B. die Bürger entlang von A8 oder A1, dann wird dieser Abschnitt entsprechend früher auch wieder eröffnet und die Region profitiert direkt vom Engagement der Bürger.

Im schlimmsten Fall kann eine Autobahn bis spätestens zum 1. April 2022 gesperrt bleiben. Längere Sperrungen sind nicht erlaubt, da innerhalb der Zeit auch Wartungsarbeiten durchgeführt werden müssen und ansonsten Ausfallzahlungen an Toll Collect fällig wären.

Jost betont auch, dass es im Saarland bereits mehr als 15 lokale Cleanup-Initiativen gibt, die sich unter www.Cleanup.Saarland organisieren. „Mein Ministerium hat unlängst die Helfer der Cleanup-Initiativen mit modernen Müllgreifern ausgestattet und diese haben bereits über 50.000 Liter Müll in diesem Jahr ehrenamtlich gesammelt“, so Jost. „Wenn sich nun jeder zweite Saarländer an der Aktion beteiligt, kann in 5 Tagen der Verkehr wieder fließen“ begründet Jost den Optimismus der Landesregierung.

Zentrale Müllsammelpunkte sind in dieser Zeit alle Nothaltebuchten und Parkplätze. Die Autobahnen dürfen weiterhin von Rettungswagen und Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr befahren werden.

Ebenso sind die Transporter der EVS im Einsatz, um den geborgenen Müll abzufahren.

Aufruf an alle Haushalte

Interessierte Bürger können sich direkt bei ihrer Gemeinde, oder beim EVS melden, um sich mit Greifzange und Handschuhen auszustatten.

Auf allen Streckenabschnitten ist das Tragen einer Warnweste verpflichtend und die Corona Schutzmaßnahmen sind auch hier einzuhalten.

„Insgesamt kommt dieser Plan auch der Pandemiebekämpfung entgegen“ meint Ministerpräsident Tobias Hans. „Die Einschränkung der Mobilität ist gerade bei der stark steigenden Verbreitung der Mutanten elementar“ führt Hans fort.

Die Sperrung der Autobahnen ist ein Teil der vorsichtigen Öffnungspolitik des Saarlandes. Mit 450.000 – 600.000 Helfern wird gerechnet, doch selbst diese hohe Zahl ist unkritisch, da die Helfer sich auf 240 km verteilen können.

Sollte das Saarland mit dem Projekt erfolgreich sein, will Sachsen-Anhalt im Sommer mit dieser Strategie nachziehen und dann für 4 Wochen seine 500 km Autobahn sperren.