Sydney

oder: Warum manche Beiträge triggern und andere nicht.

Der Freitagabend war ziemlich erträglich im Gegensatz zu den schwülheißen Abenden zuvor, daher wollten wir mal wieder ein bisschen raus. Das Wochenende zuvor hatten wir im eigenen Saft zuhause gebraten, nur einmal waren wir kurz rausgegangen, hatten es aber schon nach einer Viertelstunde aufgegeben, Müll sammeln zu wollen. Es war einfach zu heiß draußen.
Dann hatten wir lange überlegt, wohin wir fahren wollten. Nicht zu weit, es war schon vier Uhr. Nach einem Hin und Her entschlossen wir uns für das Erdbeerland bei Schiffweiler – viele Menschen bedeuten viel Müll und dort sind immer viele Menschen. An dem Windrad gegenüber hatten wir ja beim ersten Mal schon tütenweise Fastfoodmüll eingesammelt, das schien uns also eine lohnende Stelle.

Und dann fanden wir “Sydney”

Für alle, die den Beitrag auf Facebook nicht gesehen haben, es geht um diesen hier:

Ja, die Konfettikanone und das restliche Partymaterial hat mich so sehr geärgert, dass ich “Sydney” einen eigenen Post widmete – nicht ahnend, dass dieser derart polarisieren würde. Aber nun, mit dem Abstand von ein paar Tagen, wird mir immer klarer, wieso das so ist.
Hier kann eine einzige Person verantwortlich gemacht werden. Das ist etwas Greifbares, nicht bloß die anonymen 20 Kilo Müll, die geschreddert im Straßengraben liegen. Hier ist diese junge Frau, die mit Freundinnen Party gemacht hat und praktischerweise sogar ihren Namen im Müll hinterließ. Natürlich ist es nicht richtig, dass sie den Scheiß da liegengelassen hat, aber wo ist der Aufschrei über “Karl-Heinz”, der Luftlinie 200 Meter weiter fast 150 Kilogramm Kabelummantelungen illegal am Rande eines Feldes entsorgt hat, als er das Kupfer herausgeschält hat, um Geld damit zu verdienen? Als dieser Mann die Klingen seines Cuttermessers einfach auf den Boden warf, so dass Tiere sich verletzen können. Leider hat er halt nicht seinen Namen bei seinem Müll hinterlassen, sonst hätten wir bei der Polizei auch eine Anzeige stellen können, anstatt so nur damit leben zu müssen, dass dieser Fall nicht verfolgt wird, weil er wahrscheinlich eh nur im Sande verläuft. Und wie viele der fast 60.000 aufgebrachten Leser dieses Beitrags haben am Wochenende ihre Kippe aus dem Autofenster geworfen?

Der Beitrag wird immer noch rege und fast minütlich geteilt. Aber Sydney ist nicht das Problem. Es ist allzu leicht, die Schuld anderen zu geben, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. In Wirklichkeit sind wir alle das Problem.