Arno Meyer

Mein Name ist Arno Meyer und ich habe 1979 mit dem Müllsammeln angefangen. Damals hatte ich schon erkannt, dass etwas geschehen muss. Dummerweise hatte ich zwischenzeitlich geglaubt, dass es andere Menschen geben würde, die das Problem für mich lösen und dann nicht mehr regelmäßig gesammelt. Erst 2017 habe ich dann wieder erkannt, dass ich automatisch ein Teil des Problems bin, wenn ich nicht ein Teil der Lösung bin. Es gibt einfach kein Argument, warum andere und nicht ich das Problem lösen sollten.

Arno Meyer 1979


Seit 2017 sammle ich fast jeden Tag Müll und habe mit „Illingen engagiert gegen Müll“ das erste lokale Cleanup-Network im Saarland gegründet. Seither versuche ich auch andere Menschen davon zu überzeugen, dass es unsere Verantwortung ist, die Probleme zu lösen, die unsere Generation geschaffen hat.
Ich habe BWL studiert und arbeite als Produkt Manager in einem großen Softwareunternehmen. Hier habe ich mich auch mit verschiedenen Methoden des Innovationsmanagements, wie dem „Design Thinking“ beschäftigt. Das hat mir geholfen, einige Dinge auch im Bereich unseres Lebens zu hinterfragen.

Wieso ich hier dabei bin

Ein Erlebnis hat mich 2017 von der Müllblindheit befreit. An einem Strand sah ich einen Mann, der sich an einer kaputten Glasflasche verletzt hat und die Flasche wütend zurück ins Meer geworfen hat. Auf der Rückfahrt von diesem Urlaub sah ich plötzilich auch hier in Deutschland überall Müll. Warum hatte ich den zuvor ignoriert? Zuhause habe ich dann meine Sachen abgestellt, mir eine Tüte und Handschuhe genommen und bin losgegangen. Lange Zeit dachte ich, dass ich damit alleine bin, aber das war ich nicht und jetzt sind wir auch hier im Saarland schon richtig viele Menschen, die Teil der Lösung sein wollen.

Meine Motivation

„Müllsammeln ist eine Form des Protestes, bei dem man selbst ein Teil der Lösung ist“, so sagte es mal Thomas Venugopal vom Cleanup Network. Das ist auch meine Motivation. Müll ist Ausdruck einer unfairen Lebensform und mit dem Sammeln möchte ich genau das sichtbar machen und Menschen von der „Müllblindheit“ befreien, die ich viele Jahre selbst hatte. Kein anderes Tier produziert Müll und das ist kein Zufall. Die Evolution erlaubt langfristig nur Lebensformen, die in perfekten Kreisläufen funktionieren. Entweder schaffen wir das auch, oder wir werden schon sehr bald aussortiert.
In Schulen oder an der VHS habe ich zum Thema Müll bereits verschiedene Vorträge gehalten, Müllwanderungen organisiert und Aktionen gemacht.
Als Teamleiter für den World Cleanup Day im Saarland möchte ich den WCD als weltweiten Müllsammeltag auch im Saarland stärker etablieren.
Darüber hinaus möchte ich bei zwei typischen Müllarten noch mehr machen. Zigarettenkippen sind Sondermüll, werden aber ohne Scham auch öffentlich auf den Boden geworfen. Als Mitglied von TobaCycle e.V. sammle ich Kippen, die entgiftet werden und deren Filter zu neuem Kunststoff recycelt werden.
Coffee-to-Go ist ein Trendprodukt, das ganz besonders deutlich zeigt, wie asozial Müll ist und wie privater Nutzen auf Kosten der Gesellschaft umgesetzt wird. Mit der Initiative „Bäckerei becherfrei“ möchte ich einen Anreiz bieten, keine Einwegbecher mehr zu verkaufen.

Lokales Netzwerk

Illingen engagiert gegen Müll” funktioniert als lokales Netzwerk inzwischen sehr gut. Wir organisieren uns untereinander per Whats’App und so gibt es immer wieder kleine Gruppen, oder Einzelpersonen, die ein Cleanup starten.

So kommen rund 600 Cleanups pro Jahr in Illingen zustande. 2021 wurde “Illingen engagiert gegen Müll” mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis als Landessiegerprojekt ausgezeichnet.